Kopie oder Original - warum es einen Unterschied macht
- Andrea Hibler

- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Eine WhatsApp Nachricht popt auf meinem Handy auf.
"Andrea, ein Freund von mir möchte gerne seine Frau überraschen und fragt, ob ich eine Künstlerin kenne, die folgendes Bild nachmalen könnte, ich dachte ich frage dich mal." (es ist nicht die erste Anfrage die so reinkommt)
Das Bild zeigt: Eine grüne Kuh.
Ich muss das wirklich zweimal lesen.
Und ja… mein Puls steigt ein kleines bisschen - ich gebe es zu.
Einerseits finde ich es unglaublich lieb, dass sie an mich denkt.
Andererseits sträubt sich in mir alles.
„NEIN!“ möchte ich am liebsten sofort zurückschreiben.
Keine Kopie. Bitte nicht.
Eine Kopie ist für mich immer ein Abklatsch.
Sie ist nicht individuell.
Sie erzählt keine eigene Geschichte.
Und sie bleibt - egal wie gut gemacht - immer die zweite Geige.
Und ehrlich?
Ich finde es sogar noch schlimmer wenn einfach nachgemalt wird.
Da bin ich wirklich radikal.
Und nein, darüber möchte ich auch nicht verhandeln oder diskutieren.
Vielleicht denkst du jetzt:
„Ach Andrea, sei doch nicht so streng. Wenn es doch gefällt…“
Oder:
„Ist das nicht sogar ein Kompliment für den Künstler?“
Nein. Für mich ist es das nicht.
Ich empfinde es eher als fehlende Wertschätzung gegenüber der ursprünglichen Idee, der Emotion und der Arbeit, die in einem Original steckt und die ein Künstler hineingepackt hat.
Wenn du deine Frau wirklich überraschen möchtest,
dann schenk ihr doch etwas „Eigenes“ denke ich.
Etwas, das nur für sie geschaffen wurde, oder lass sie selber die Erfahrung des Malens machen und schenke ihr einen Workshop.
Oder - wenn es genau dieses Werk sein soll - dann bitte das Original.
Alles andere bleibt irgendwie… ein Ersatz.
Ein „fast“.
Ein „nicht ganz“.
Oder es geht dir am Ende wie mir.
Und dazu erzähle ich dir jetzt eine kleine persönliche Geschichte, die tatsächlich so passiert ist.
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Der Schal
„Schatz, schau mal…“
Wir sind in der Stadt.
Ich halte einen Schal in der Hand.
Meine Augen leuchten.
Die Farbe - genau meine.
Ich lasse ihn durch meine Finger gleiten.
So weich. So angenehm. So kuschelig.
Natürlich - Cashmere.
Dann sehe ich den Preis.
Upsi.
Robert schaut ihn an und sagt nur: „Neee.“
Ich lache.
„Ach komm, ich nehme ihn mit…“
Ein kleines Hin und Her.
Und am Ende?
Bleibt er im Laden.
Schweren Herzens.
„Ist ja bald Ostern…“, denke ich noch.
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Ostersonntag
Nach dem Frühstück sagt Robert mit einem breiten Grinsen im Gesicht:
„Du darfst jetzt dein Osternest suchen.“
Ich freue mich. Wirklich.
Von Raum zu Raum.
„Warm… kalt… wärmer…“
Und dann halte ich es in den Händen.
Ein Päckchen.
Ich öffne es voller Vorfreude.
Ein Schal.
Meine Augen beginnen zu leuchten…
doch dann stocke ich.
Die Farbe… ähnlich.
Aber nicht dieselbe.
Das Gefühl…
nicht annähernd so weich.
„Das ist jetzt aber nicht Cashmere, oder?“ frage ich vorsichtig.
„Doch“, sagt er.
Ich lächle.
Aber ich spüre: Es ist nicht das Gleiche.
Es gibt Unterschiede. Große Unterschiede.
Am Ende habe ich mich bedankt - für die liebe Idee.
Aber der Schal ging zurück. Sorry Schatz.
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Die Moral von der Geschichte?
Ein Original lässt sich nicht ersetzen.
Nicht durch eine Kopie.
Auch nicht durch ein „ähnlich“.
Und schon gar nicht durch ein „fast genauso“.
Und genau das gilt auch für Kunst.
Wenn dich etwas wirklich berührt,
dann hat das seinen Grund.
Und dieser Grund lässt sich nicht kopieren.
Oder wie siehst du das?
Schreib mir gern und bis dahin lass uns ein Original sein :-)
Deine Andrea Hibler UNIQUE ART for you - unique as you



